Integrierte Sozialplanung Lebenswelten älterer Menschen

Kreistagssitzung 10.12.20
Redebeitrag Fraktion B90/Die Grünen von Olivia von der Dellen

Sehr geehrter Herr Landrat Eininger, sehr geehrte Frau Kiewel, sehr geehrte Damen und Herren,


der integrierte Sozialplan Lebenswelten älterer Menschen ist das Ergebnis eines 3-jährigen Planungsprozesses, auf dessen Weg sich der Landkreis gemeinsam mit verschiedenen Akteurinnen begeben hat. Es ist ein sehr aussagekräftiges, zukunftsorientiertes und richtungsweisendes Werk daraus entstanden. So ist es dem Bündnis 90/Die Grünen ein Anliegen, sich bei allen Akteurinnen ausdrücklich zu bedanken!


Unumstritten wird darin dargestellt, dass sich unsere Gesellschaft, bezogen auf den Landkreis Esslingen, aber auch bundesweit, altersstrukturell zu einer älteren Gesellschaft entwickelt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein struktureller Handlungsbedarf entsteht, um die Bedingungen des Landkreis Esslingens an die sich verändernde Gesellschaft anzupassen.
Beim aufmerksamen Lesen des Sozialplans fallen Punkte auf, in denen ein baldiger und steigender Handlungsbedarf formuliert wird:
Wohnen im Alter und eine daran geknüpfte Möglichkeit der Sozialraumorientierung beziehungsweise des Quartiersmanagements.
Zu nennen sind weitere Punkte wie beispielsweise eine wachsende Altersarmut. Dies korreliert wiederum mit weiteren, benötigten Wohnraumangeboten für ältere Menschen in manchen Regionen des Landkreises. Dies steht in enger Verbindung mit Beratungsstellen, die Menschen niederschwellig und bedarfsorientiert beraten und unterstützen können. Untermauert wird die Annahme der Altersarmut (es wird eine hohe Dunkelziffervermutet) mit dem Anstieg auf „Hilfe zur Pflege im Landkreis Esslingen“.


So ist festzuhalten, dass die Tragfähigkeit des Konzepts sich an den Maßnahmen entscheidet, welche vor Ort umgesetzt werden.
Wertvoll ist die Vorstellung, dass Altenhilfeplanung und Stadtplanung zusammenwirken. Hier spielt unseres Erachtens der Landkreis eine wichtige Rolle, um die Kommunen zu unterstützen. Dies kann geschehen, indem der Landkreis die kommunalen Stadtplanungen sowie die Altenhilfeplanungen an einen Tisch bringt, um gemeinsam eine flächendeckendere integrierte sozialräumliche Planung weiter voranzubringen. Hierbei ist anzumerken, dass es an der Hochschule Esslingen eine Professur gibt, Frau Prof. Bitzan, welche in diesem Gebiet auf ein großes Erfahrungswissen zurückgreifen kann.
Weiter soll in diesem Zusammenhang betrachtet werden, in welchem Räumen und Gebieten spezielle Wohnangebote geschaffen werden können, wie Netzwerkarbeit ausgebaut werden kann, oder wie neue Beteiligungskonzepte für die Bürgerinnen und Bürger gewinnbringend eingesetzt werden können.

Auch im Landkreis Esslingen sind die Auswirkungen der Coronapandemie spürbar. Ein wichtiges Erleben ist, dass das Fachpersonal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen eine der wichtigsten Ressourcen sind, die dem Gesundheitssystem zur Verfügung stehen. Wir begrüßen und fordern ausdrücklich den Landkreis auf, sich weiter in dieser Richtung zu etablieren, innovativ zu bleiben und „groß“ zu denken. Den eingeschlagenen Weg des Forschungsprojekts mit den verschiedenen Akteur*innen weiter zu beschreiten, um neue Handlungsansätze zu generieren. Ziel muss es sein, die Herausforderungen der Personalgewinnung und -bindung im Pflegebereich anzugehen und die dafür erforderlichen personell-finanziell benötigten Mittel in den Haushalt einzustellen.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Landkreis Esslingen sehen wir darin, die Sensibilisierung der Gesellschaft bezüglich den Themen einer älter werdenden Gesellschaft sowie den damit verbundenen Anforderungen, öffentlichkeitswirksam aufzubereiten. Dem Synergieeffekt der Öffentlichkeitsarbeit bezüglich des Fachkräftemangels, kann in diesem Zuge Folge getragen werden.

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